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Circle of Viewpoints

Circle of Viewpoints ist eine Routine zur Perspektivübernahme von Project Zero an der Harvard Graduate School of Education, entwickelt im Rahmen der Arbeit zu Visible Thinking. Die Gruppe listet die verschiedenen Blickwinkel auf, die es zu einem Thema gibt, und jede:r Teilnehmende spricht dann aus einem davon – mithilfe von drei Satzanfängen: welchen Blickwinkel sie oder er einnimmt, was sie oder er von dort aus denkt und welche Frage dieser Blickwinkel aufwirft. So kommen schnell mehr als zwei Seiten eines Themas in den Raum, bevor diskutiert oder entschieden wird.

Dauer
20m–40m
Gruppengröße
5–20 people
Material
Flipchart oder Board für die Liste der Blickwinkel, Marker, Optional: Karten mit den drei Satzanfängen

Moderationsablauf

  1. 1

    Stelle das Thema oder den Fall vor und erkläre die Routine: Blickwinkel auflisten, je einen übernehmen, in drei Sätzen aus ihm sprechen.

    3 Min.
  2. 2

    Sammelt die Blickwinkel, die mit dem Thema verbunden sind, und schreibe sie an. Frage, wer oder was betroffen ist und noch von niemandem genannt wurde.

    7 Min.
  3. 3

    Die Teilnehmenden wählen einen Blickwinkel und bereiten still ihre drei Aussagen vor. Prüfe, ob auch die unbequemen Blickwinkel besetzt sind.

    4 Min.
  4. 4

    Geht im Kreis herum. Jede Person spricht in ihrer Rolle; die Gruppe hört ohne Kommentar zu. Halte die Fragen auf dem Flipchart fest.

    12 Min.
  5. 5

    Nachbesprechung außerhalb der Rolle: Was ist neu, welche Fragen sind am wichtigsten, und welche Blickwinkel müssen mit den echten Menschen überprüft werden?

    9 Min.

Tipps

  • Ermutige die Teilnehmenden, einen Blickwinkel zu wählen, der nicht ihr eigener ist, und sorge dafür, dass jemand denjenigen übernimmt, den die Gruppe am wenigsten sympathisch findet – dort liegt meist das Lernen.

  • Führe die Runde ohne Zwischengespräche durch; Reaktionen gehören in die Nachbesprechung.

  • Sage am Ende deutlich, dass Rollenübernahme Hypothesen darüber liefert, was andere denken, und dass sie das Nachfragen bei ihnen nicht ersetzt.

Typische Stolperfallen

  • Alle wählen die Blickwinkel, die ihrem eigenen am nächsten sind, sodass die Runde die bestehende Debatte unter anderen Etiketten wiederholt

  • Einen Blickwinkel als Karikatur spielen – das bringt Lacher, verstärkt Stereotype und lehrt die Gruppe nichts über diese Position

  • Antworten und Widerspruch während der Runde zulassen – das macht aus der Perspektivübernahme eine Debatte und schneidet den späteren Sprecher:innen das Wort ab

  • Das in der Rolle Gesagte als Beleg dafür behandeln, was Stakeholder denken, und auf dieser Grundlage entscheiden, ohne bei ihnen nachzufragen

  • Den dritten Satzanfang auslassen: Die Fragen sind das, womit die Gruppe weiterarbeiten kann, und ohne sie liefert die Runde nur Meinungen

Variationen

Remote: Liste die Blickwinkel auf einem gemeinsamen Board auf, lass die Teilnehmenden ihren Namen neben einen setzen und führe die Runde durch, indem du die Personen in der Reihenfolge der Liste aufrufst; die drei Aussagen lassen sich auch in den Chat tippen und vorlesen. Große Gruppen: Bildet Kreise von fünf oder sechs Personen, die jeweils die ganze Liste abdecken, und sammelt die Fragen dann im Plenum. Schriftliche Version: Jede Person schreibt die drei Aussagen auf eine Karte, die Karten werden aufgehängt und in einem Gallery Walk gelesen. Vertiefte Version: Lass die Teilnehmenden nach der ersten Runde zu einem zweiten Blickwinkel wechseln, oder schließe eine längere Routine zur Rollenübernahme wie Step Inside an.

Einsatzbereiche

Eine polarisierte oder zweiseitige Debatte öffnenEmpathie für Stakeholder vor einer EntscheidungEin Dilemma oder eine umstrittene Veränderung erkundenStakeholder-Interviews vorbereitenEine Fallstudie im Training auswerten

Wann einsetzen

  • Eine Diskussion hat sich auf zwei Lager verengt, und die Gruppe nimmt nicht mehr wahr, wer sonst noch betroffen ist

  • Ein Team steht vor der Entscheidung über eine Veränderung und hat sie nur aus der eigenen Position betrachtet

  • Du willst auf kurzem, risikoarmem Weg die Perspektive von Kund:innen, Kolleg:innen aus anderen Bereichen oder künftigen Nutzer:innen einbringen, die nicht im Raum sind

  • Die Gruppe braucht Fragen für Stakeholder-Interviews und weiß noch nicht, was sie fragen soll

  • Eine Trainingsgruppe analysiert einen Fall und soll über die Sicht der Hauptfigur hinausblicken

Wann nicht einsetzen

  • Die Betroffenen lassen sich direkt fragen, und dafür ist Zeit: Interviewt sie oder ladet sie ein, denn vorgestellte Blickwinkel sind kein Ersatz

  • Der Konflikt besteht zwischen Personen im Raum und ist persönlich: In einer Rolle zu sprechen wird als Spott oder Punktemachen verstanden, nutze also stattdessen ein mediiertes Gespräch

  • Das Thema berührt eigene Diskriminierungs- oder Traumaerfahrungen der Teilnehmenden: Andere zu bitten, diese Blickwinkel auszusprechen, kann verletzen und stereotypisieren – beziehe gelebte Erfahrung also angemessen ein oder wähle ein anderes Format

  • Du brauchst eine strukturierte Bewertung eines Vorschlags aus mehreren Blickrichtungen: Die Sechs Denkhüte liefern Denkmodi, während diese Routine Stakeholder-Positionen liefert

  • Die Gruppe will einen vorbereiteten, ausführlichen Stakeholder-Dialog mit Recherche zu jeder Position: Dafür ist Stakeholder's View gemacht

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Häufig gestellte Fragen

Was ist Circle of Viewpoints?▾

Circle of Viewpoints ist eine Denkroutine von Project Zero an der Harvard Graduate School of Education. Eine Gruppe listet die Perspektiven auf, die es zu einem Thema gibt, jede:r Teilnehmende übernimmt eine, und alle sprechen mithilfe von drei Satzanfängen aus dem gewählten Blickwinkel. So sieht eine Gruppe ein Thema in 20 bis 40 Minuten von mehreren Seiten.

Wie lauten die drei Satzanfänge?▾

Die Routine von Project Zero nutzt drei Impulse: „Ich betrachte [das Thema] aus dem Blickwinkel von …“, „Ich denke …“, gesprochen als diese Person oder Sache, und „Eine Frage, die ich aus diesem Blickwinkel habe, lautet …“. Der erste benennt die Perspektive, der zweite gibt ihre Position wieder, und der dritte eröffnet eine Fragerichtung. Bei den dreien zu bleiben hält jeden Beitrag kurz und vergleichbar.

Lässt sich Circle of Viewpoints mit Erwachsenen im Arbeitskontext einsetzen?▾

Ja. Die Routine wurde für den Unterricht entwickelt, aber der Ablauf passt zu jeder Gruppe, die Menschen berücksichtigen muss, die nicht im Raum sind. Teams nutzen sie vor Entscheidungen über Reorganisationen, Richtlinienänderungen oder Produktänderungen und als Vorbereitung auf Stakeholder-Interviews.

Worin unterscheidet sich Circle of Viewpoints von den Sechs Denkhüten?▾

Die Sechs Denkhüte weisen Denkmodi zu, etwa Fakten, Risiken oder Gefühle, und die ganze Gruppe wendet sie auf ein Thema an. Circle of Viewpoints weist Positionen von Menschen oder Dingen zu, die vom Thema betroffen sind. Nutze die Hüte, um einen Vorschlag gründlich zu prüfen, und Circle of Viewpoints, um herauszufinden, wessen Perspektive außen vor geblieben ist.

Wo liegen die Grenzen der Methode?▾

Die Teilnehmenden können nur aussprechen, was eine andere Partei ihrer Vorstellung nach denkt, und diese Vermutung ist von ihren eigenen Annahmen geprägt. Die Routine weitet die Aufmerksamkeit der Gruppe und erzeugt Fragen, liefert aber keine Daten über Stakeholder. Geht den wichtigen Fragen mit den tatsächlich Betroffenen nach.

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Method descriptions on Workshop Weaver are original content written by our team, based on established facilitation practices. This method was inspired by work from Project Zero, Harvard Graduate School of Education.