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Konsensuskonferenz

Eine Konsensuskonferenz ist ein formelles öffentliches Beratungsverfahren, in dem ein kleines Panel von Laien aus der Bürgerschaft Expert:innen zu einer strittigen, meist wissenschaftlichen oder technologischen Frage befragt und anschließend eine gemeinsame Erklärung mit Schlussfolgerungen und Empfehlungen verfasst. Das Format mit Laienpanel wurde in den 1980er-Jahren in Dänemark vom Dänischen Technologierat (Danish Board of Technology) entwickelt, der frühere, rein mit Fachleuten besetzte Konsensuskonferenzen aus der US-amerikanischen Medizin anpasste. Die Bürger:innen legen die Fragen fest und entscheiden mit, welche Expert:innen sie beantworten. Das unterscheidet das Format von einer Anhörung oder einem Expertenpanel.

Dauer
56h–64h
Gruppengröße
10–16 people
Material
ausgewogene Informationsmaterialien für das Bürgerpanel, Veranstaltungsort mit Publikumsplätzen und einem separaten Raum für das Panel, eine unabhängige Moderation für das Panel…

Moderationsablauf

  1. 1

    Erstes Vorbereitungswochenende (zwei Tage): Das Panel trifft sich, lernt den Prozess kennen, arbeitet das Informationsmaterial durch und beginnt, die Fragen zu bestimmen, die ihm wichtig sind.

    960 Min.
  2. 2

    Zweites Vorbereitungswochenende (zwei Tage): Das Panel legt seine Fragen für die Konferenz endgültig fest und wirkt an der Auswahl der Expert:innen mit, damit gegensätzliche Sichtweisen abgedeckt sind.

    960 Min.
  3. 3

    Konferenztag 1: öffentliche Eröffnung, danach beantworten die Expert:innen die Fragen des Panels vor Publikum und Presse.

    480 Min.
  4. 4

    Konferenztag 2: Das Panel nimmt die Expert:innen ins Kreuzverhör und stellt Nachfragen.

    480 Min.
  5. 5

    Konferenztag 3: Das Panel zieht sich mit seiner Moderation zurück und entwirft die Konsenserklärung mit Schlussfolgerungen und Empfehlungen.

    480 Min.
  6. 6

    Konferenztag 4 (halber Tag): Das Panel stellt seine Erklärung den Entscheidungsträger:innen und den Medien vor und diskutiert sie mit ihnen; der Bericht wird veröffentlicht.

    240 Min.

Tipps

  • Die Moderation des Panels arbeitet für das Panel, nicht für die auftraggebende Stelle, und das sollte auch sichtbar sein.

  • Schütze die Zeit für das Schreiben: Wenn ein Panel über Nacht unter Druck eine gemeinsame Erklärung verfassen muss, zieht es sich auf die Ansichten seines redegewandtesten Mitglieds zurück.

  • Vereinbare vor der Rekrutierung, wie die auftraggebende Stelle auf die Erklärung reagieren wird, und sage es dem Panel.

  • Das ist ein Projekt über Monate mit realen Kosten für Rekrutierung, Auslagen, Veranstaltungsort und Personal, plane das Budget also wie für ein Programm und nicht wie für eine Veranstaltung.

Typische Stolperfallen

  • Das Planungsgremium oder die auftraggebende Stelle wählt die Expert:innen allein aus: Das Panel hört eine verengte Debatte, und Kritiker:innen können die Erklärung als gesteuert abtun

  • Informationsmaterial, das von einer Seite der Auseinandersetzung geschrieben wurde: Die Fragen des Panels sind gerahmt, bevor es sich getroffen hat, und die Schlagseite zieht sich bis in die Empfehlungen

  • Auf vollständigen Konsens in jedem Punkt drängen: Dissens wird mit vagen Formulierungen übertüncht, und die Erklärung verliert die konkreten Urteile, die sie nützlich machen

  • Kein vereinbarter Weg in den Entscheidungsprozess: Die Erklärung wird vorgestellt, einen Tag lang wird darüber berichtet, und dann hat sie keine sichtbare Wirkung, was spätere Beteiligungsvorhaben diskreditiert

  • Das Panel als repräsentativ für die Bevölkerung behandeln: Die Behauptung 'die Öffentlichkeit meint', gestützt auf etwa ein Dutzend Menschen, lädt zu berechtigten Angriffen auf das gesamte Verfahren ein

Variationen

Wo das Budget knapp ist, kürzen Veranstaltende die Vorbereitung oder die Konferenz selbst; jede Kürzung verringert die Zeit, die das Panel zum Lernen hat, sei also offen im Umgang mit diesem Zielkonflikt. Der Begriff 'participatory consensus conference' bezeichnet das dänische Modell mit Laienpanel, um es von der älteren medizinischen Variante nur mit Fachleuten abzugrenzen. Verwandte deliberative Formate sind die Citizens' Jury und der Bürgerrat, der mit einer deutlich größeren, per Los ausgewählten Gruppe arbeitet. Online-Sitzungen können einige Vorbereitungstreffen ersetzen, die öffentliche Anhörung und das Schreiben der Erklärung funktionieren aber in Präsenz besser.

Einsatzbereiche

Bürgerbeteiligung bei strittigen Fragen der Wissenschafts- und TechnologiepolitikTechnikfolgenabschätzung für Parlamente und MinisterienFragen der Gesundheits-, Energie- oder Umweltpolitik mit WertekonfliktenBrücken zwischen Fachleuten und Laien bei einem komplexen Thema schlagenDie öffentliche Debatte informieren, bevor ein Gesetz entworfen wird

Wann einsetzen

  • Eine öffentliche Stelle steht vor einer strittigen Frage zu einer Technologie oder Politik, bei der es ebenso sehr um Werte geht wie um Fakten

  • Entscheidungsträger:innen wollen wissen, zu welchen Schlüssen informierte Bürger:innen kommen, nachdem sie alle Seiten gehört haben, und nicht, was eine Meinungsumfrage sagt

  • Es gibt mehrere Monate Zeit und ein Budget für Rekrutierung, Vorbereitungswochenenden, eine mehrtägige öffentliche Veranstaltung und die Veröffentlichung

  • Die Fachleute sind sich untereinander uneinig, und die Öffentlichkeit hat die Debatte bisher nur über Interessengruppen wahrgenommen

  • Die auftraggebende Stelle ist bereit, öffentlich auf Empfehlungen zu reagieren, die sie nicht selbst geschrieben hat

Wann nicht einsetzen

  • Das Thema ist unstrittig oder rein technisch: Ein Expertenpanel oder eine Studie nach der Delphi-Methode liefert mit weit weniger Aufwand eine fundierte Antwort

  • Du brauchst eine verbindliche Entscheidung: Die Erklärung des Panels ist beratend, nutze also den formalen Entscheidungsprozess und speise die Erklärung dort ein

  • Du willst, dass eine Gruppe innerhalb einer Organisation in einem Workshop zu einer Einigung kommt: Nutze ein Konsent- oder Konsensverfahren wie den Fünf-Finger-Konsens

  • Das Ergebnis steht bereits fest, oder die auftraggebende Stelle verpflichtet sich nicht zu einer Antwort: Bürger:innen, die mehrere Wochenenden in einen Prozess stecken, der dann ignoriert wird, werden zu seinen lautesten Kritiker:innen

  • Du brauchst Ansichten, die für eine Bevölkerung statistisch repräsentativ sind: Ein Panel von 10 bis 16 Personen ist vielfältig, nicht repräsentativ; eine Umfrage oder ein größerer Bürgerrat ist dann das richtige Instrument

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Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Konsensuskonferenz?▾

Eine Konsensuskonferenz ist ein öffentliches Beratungsformat, in dem ein Panel von etwa 10 bis 16 Laien aus der Bürgerschaft Expert:innen zu einer strittigen Frage befragt und eine gemeinsame Erklärung mit Schlussfolgerungen und Empfehlungen schreibt. Das Panel bereitet sich an zwei Wochenenden vor, wählt seine Fragen selbst und wirkt an der Auswahl der Expert:innen mit. Die Variante mit Laienpanel wurde in den 1980er-Jahren in Dänemark vom Dänischen Technologierat entwickelt.

Wie lange dauert eine Konsensuskonferenz?▾

Der sichtbare Teil besteht aus zwei Vorbereitungswochenenden und einer öffentlichen Konferenz von drei bis vier Tagen; der Ablauf auf dieser Seite plant drei volle Tage und einen abschließenden halben Tag. Planung, Stakeholder-Analyse, Rekrutierung und die Erstellung des Informationsmaterials kommen mit mehreren Monaten davor hinzu. Es ist ein Projekt mit Sekretariat, keine Workshop-Aktivität.

Wer sitzt im Bürgerpanel?▾

Laien ohne berufliches Interesse am Thema und ohne Spezialwissen dazu, so ausgewählt, dass sie sich in Alter, Geschlecht, Beruf und Wohnort unterscheiden. Üblich ist, einen breiten Kreis zur Bewerbung einzuladen und das Panel dann per Los aus den Bewerbungen zu ziehen, mit Blick auf eine ausgewogene demografische Zusammensetzung. Das Panel ist eine vielfältige Gruppe informierter Bürger:innen und sollte nicht als statistische Stichprobe dargestellt werden.

Ist die Erklärung des Panels verbindlich?▾

Nein. Die Erklärung ist eine Empfehlung an Entscheidungsträger:innen und ein Beitrag zur öffentlichen Debatte. Ihr Gewicht ergibt sich aus der Fairness des Prozesses und aus der vorab gegebenen Zusage der auftraggebenden Stelle, öffentlich darauf zu antworten.

Was ist der Unterschied zwischen einer Konsensuskonferenz und einer Citizens' Jury?▾

Beide sind kleine Panels von Laien, die Expert:innen anhören und Empfehlungen abgeben. Die Konsensuskonferenz zeichnet aus, dass das Panel die Fragen selbst festlegt, an der Auswahl der Expert:innen mitwirkt und sie auf einer öffentlichen, mehrtägigen Veranstaltung in Anwesenheit der Presse befragt, typischerweise zu einer Frage aus Wissenschaft oder Technik. Die Erklärung, die es schreibt, ist seine eigene und entsteht, ohne dass die Expert:innen im Raum sind.

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Method descriptions on Workshop Weaver are original content written by our team, based on established facilitation practices. This method was inspired by work from Danish Board of Technology.