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Socio-Spatial Mapping

Socio-Spatial Mapping ist eine Übung vor Ort, um einen öffentlichen Raum zu verstehen: Ein Zweierteam kartiert, was es beobachtet, ein anderes kartiert, was die Nutzer:innen des Raums ihm erzählen – jeweils auf einer transparenten Folie, die über demselben ausgedruckten Plan liegt. Legt man beide Ebenen übereinander, zeigt sich, wo Beobachtung und Gespräch übereinstimmen und wo nicht. Diese Form der Methode hat Katusha Sol zusammen mit Rosanne van Wieringen für die Placemaking-Lehre an der Universität Amsterdam entwickelt und in der Transition Makers Toolbox veröffentlicht; in der Planungsforschung wird der Begriff auch weiter gefasst verwendet.

Dauer
3h
Gruppengröße
4–24 people
Material
Ausgedruckter Plan des Ortes, einer pro Team, Transparente Folien zum Auflegen auf den Plan, zwei pro Team, Klemmbretter…

Moderationsablauf

  1. 1

    Stelle die Fragestellung vor, vergib die Themen, teile die Teams in Beobachtungs- und Gesprächspaare und einigt euch auf die Legende.

    10 Min.
  2. 2

    Schreibtischrecherche zu Geschichte, Aufbau und Funktionen des Ortes.

    60 Min.
  3. 3

    Vor Ort: erste Eindrücke notieren; dann kartieren die Beobachtungspaare Gegebenheiten und Nutzung, während die Gesprächspaare mit Nutzer:innen sprechen und kartieren, was sie hören.

    30 Min.
  4. 4

    Die Teams legen beide Ebenen übereinander und besprechen Übereinstimmungen, Widersprüche und was daraus folgt.

    30 Min.
  5. 5

    Präsentationen oder Poster-Rundgang, danach Diskussion in der ganzen Gruppe hin zu einem Gesamtbild des Ortes.

    20 Min.

Tipps

  • Einigt euch auf eine einfache Legende, bevor jemand losgeht, zum Beispiel eine Farbe für Positives und eine für Negatives – sonst lassen sich die Ebenen nicht vergleichen.

  • Bereite die Gesprächspaare darauf vor, wie sie einsteigen: sagen, wer man ist, warum man fragt und dass es zwei Minuten dauert, und ein Nein ohne Nachhaken akzeptieren.

  • Am ergiebigsten sind die Widersprüche, etwa eine Bank, die alle loben, auf der aber niemand sitzt – gib ihnen die meiste Diskussionszeit.

Typische Stolperfallen

  • Die Paare gleichen ihre Notizen schon vor Ort ab, bevor beide Ebenen fertig sind – die Beobachtungskarte gibt dann die Interviews wieder, und das Übereinanderlegen zeigt nichts Neues

  • Die Gesprächspaare sprechen nur Menschen an, die zugänglich wirken – damit fehlen genau die Nutzer:innen, die den Ort am stärksten anders erleben

  • Aussagen im Notizbuch statt auf der Karte festhalten – sie lassen sich dann keinem Ort zuordnen, wenn die Ebenen übereinanderliegen

  • Eine Handvoll kurzer Gespräche als repräsentativ für alle Nutzer:innen behandeln und Schlüsse ziehen, die das Material nicht trägt

  • Die Zeit läuft vor dem Schritt in der ganzen Gruppe ab – übrig bleiben einzelne Themenkarten und kein gemeinsames Bild des Ortes

Variationen

Mit mehr Zeit besucht ihr den Ort zu zwei verschiedenen Tageszeiten und legt einen zweiten Satz Ebenen an. Für einen Arbeitsplatz oder Campus tauschst du den öffentlichen Platz gegen eine Kantine, ein Foyer oder einen Flur und nutzt einen Grundriss. Wenn es keine transparenten Folien gibt, nehmt Transparentpapier oder fotografiert beide Karten und legt sie auf einem digitalen Whiteboard übereinander. Mit weniger als vier Personen kann ein Paar erst beobachten und dann interviewen; es sollte die Beobachtungsebene aber vor dem ersten Gespräch abschließen, damit sie nicht von dem gefärbt wird, was es hört.

Einsatzbereiche

Placemaking-WorkshopsOrtsanalyse im StädtebauAuftakt für die Umgestaltung eines QuartiersÜberprüfung von Arbeits- oder CampusräumenBeobachten und Interviewen gemeinsam lehrenBeteiligung von Anwohnenden und Stakeholdern

Wann einsetzen

  • Eine Gruppe will Veränderungen an einem Platz, Park, einer Straße oder einem gemeinsam genutzten Innenraum vorschlagen und kennt ihn bisher nur von Plänen

  • Du vermutest, dass die Annahmen der Planenden über einen Ort davon abweichen, wie Menschen ihn nutzen und beschreiben

  • Du willst an einem Nachmittag den Unterschied zwischen beobachtetem Verhalten und berichteter Erfahrung vermitteln

  • Ein Quartiers- oder Arbeitsplatzprojekt braucht vor einer Design-Session schnell Material aus erster Hand von den Nutzer:innen

  • Der Ort ist zu Fuß erreichbar und belebt genug, um Gesprächspartner:innen zu finden

Wann nicht einsetzen

  • Der Ort ist zu der Zeit, zu der ihr ihn besuchen könnt, leer: Ohne Nutzer:innen gibt es keine Gesprächsebene – führe Simple Ethnography zu einer belebteren Zeit durch oder interviewe Nutzer:innen anderswo

  • Du brauchst Tiefe zu den Bedürfnissen weniger Personen: Verabredete Nutzerinterviews bringen mehr als zweiminütige Gespräche auf der Straße

  • Du willst, dass Anwohnende die Route selbst führen und erzählen: Nutze einen Transect Walk oder einen Jane's Walk

  • Die Teilnehmenden fühlen sich nicht wohl dabei, Fremde anzusprechen, oder der Rahmen macht das unsicher oder übergriffig, zum Beispiel ein Wartebereich in einer Klinik: Bleibt bei der Beobachtung und organisiert Interviews mit Einwilligung gesondert

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Häufig gestellte Fragen

Was ist Socio-Spatial Mapping?▾

Socio-Spatial Mapping ist eine Feldübung zur Untersuchung eines öffentlichen Raums. In Viererteams hält ein Paar fest, was es zu einem Thema beobachtet, und das andere Paar, was Nutzer:innen dazu sagen – jeweils auf einer transparenten Folie über demselben Plan des Ortes. Übereinandergelegt zeigen die Folien, wo Verhalten und berichtete Erfahrung übereinstimmen oder auseinandergehen.

Warum zwei getrennte Ebenen?▾

Menschen beschreiben einen Ort oft anders, als sie ihn nutzen. Wenn Beobachtung und Gespräch auf getrennten Folien bleiben, färbt das eine nicht auf das andere ab, und die Unterschiede sind beim Übereinanderlegen auf einen Blick sichtbar. Diese Unterschiede sind meist die besten Ansatzpunkte für die Gestaltung.

Wie viele Personen braucht man?▾

Die Quelle beschreibt Gruppen von bis zu 24 Personen, die in Viererteams arbeiten, wobei jedes Team ein Thema übernimmt. Ein einzelnes Viererteam kann die Übung auch allein durchführen. Mehr Teams bedeuten mehr Themen, und das macht das abschließende Gesamtbild reichhaltiger.

Brauchen die Teilnehmenden eine Erlaubnis, um vor Ort Menschen anzusprechen?▾

Im frei zugänglichen öffentlichen Raum brauchen kurze, freiwillige Gespräche in der Regel keine formelle Erlaubnis; die Teilnehmenden sollten sich aber vorstellen, den Zweck erklären und ein Nein akzeptieren. Notiert keine Namen und fotografiert niemanden, ohne zu fragen. Auf privaten oder halböffentlichen Flächen wie Einkaufszentren oder Büros klärt das vorher mit dem Eigentümer.

Worin unterscheidet sich die Methode von einem Transect Walk?▾

Ein Transect Walk folgt gemeinsam mit ortskundigen Personen einer Route durch ein Gebiet und hält fest, was entlang dieser Linie zu finden ist. Socio-Spatial Mapping bleibt an einem Ort, verteilt Beobachten und Interviewen auf zwei Paare und vergleicht die beiden Aufzeichnungen anschließend. Das Übereinanderlegen ist das, was die Methode ausmacht.

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Method descriptions on Workshop Weaver are original content written by our team, based on established facilitation practices. This method was inspired by work from Katusha Sol with Rosanne van Wieringen, Transition Makers Toolbox (University of Amsterdam).