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Issue Cards

Issue Cards sind ein eigens erstellter Kartensatz, bei dem jede Karte einen einzelnen Impuls zum jeweiligen Thema trägt, etwa eine Erkenntnis, ein Bild, ein Stichwort oder eine kurze Beschreibung. Die in der Sammlung Service Design Tools dokumentierten Karten werden auf einem Tisch ausgelegt, damit eine interviewte Person oder eine kleine Gruppe etwas Greifbares hat, das sie in die Hand nehmen, besprechen, ergänzen und in eine Rangfolge bringen kann. Sie geben einem Gespräch Struktur und eröffnen Gedankengänge, die eine reine Fragenliste meist übersieht.

Dauer
30m–1h
Gruppengröße
1–10 people
Material
Vorbereiteter Kartensatz, ein Thema pro Karte, Blankokarten, Stifte oder Marker…

Moderationsablauf

  1. 1

    Begrüße die Teilnehmenden, erkläre, wozu die Karten dienen und wie die Ergebnisse verwendet werden. Stelle klar, dass Karten verändert, ergänzt oder aussortiert werden dürfen.

    5 Min.
  2. 2

    Lege den Kartensatz offen aus. Bitte alle, die Karten still zu lesen und zwei oder drei, die herausstechen, zu sich heranzuziehen.

    5 Min.
  3. 3

    Geht reihum. Jede Person zeigt eine gewählte Karte und erzählt eine konkrete Geschichte, die die Wahl erklärt. Frage nach und lass andere zur selben Karte ergänzen.

    15 Min.
  4. 4

    Verteile Blankokarten und Stifte. Frage, was im Kartensatz fehlt, welche Karten falsch formuliert sind und welche nicht zutreffen. Lass die Teilnehmenden schreiben, umformulieren und aussortieren.

    8 Min.
  5. 5

    Bitte die Gruppe, die verbleibenden Karten von der dringlichsten zur am wenigsten dringlichen zu ordnen. Tritt zurück, lass sie Karten verschieben und höre den Argumenten zu.

    8 Min.
  6. 6

    Lies der Gruppe die Spitze der Rangfolge vor, prüfe, ob sie ihre Sicht wiedergibt, fotografiere den Tisch und sage, wie es weitergeht.

    4 Min.

Tipps

  • Achte auf die Geschichten, die Menschen erzählen, während sie eine Karte in der Hand halten; die Rangfolge ist nützlich, aber die Begründungen sind das eigentliche Forschungsmaterial.

  • Lege immer Blankokarten dazu und behandle das, was darauf geschrieben wird, als wertvollstes Ergebnis, denn es zeigt, was deinem Kartensatz gefehlt hat.

  • Teste den Kartensatz zuerst an einer Kollegin oder einem Kollegen und nimm jede Karte heraus, deren Formulierung eine Antwort nahelegt.

Typische Stolperfallen

  • Karten schreiben, die deine eigene Schlussfolgerung oder eine Lösung enthalten – das lenkt die Teilnehmenden und spielt dir deine eigenen Annahmen zurück

  • Sechzig oder mehr Karten mitbringen – die Leute verbringen die Session dann mit Lesen und kommen nie ins Gespräch

  • Blankokarten weglassen – das beschränkt die Diskussion auf das, was das Team ohnehin schon wusste

  • Nur die endgültige Rangfolge festhalten und nicht die Geschichten dahinter – übrig bleibt eine Stichwortliste, die eine Woche später niemand mehr deuten kann

  • Eine selbstsichere Person die Karten für die ganze Gruppe anordnen lassen – die Rangfolge spiegelt dann eine einzelne Sicht

Variationen

Im Einzelinterview dient der Kartensatz als Gesprächsleitfaden, den die interviewte Person steuert, indem sie die Reihenfolge der Karten wählt. Bei Gruppen über zehn Personen gibst du jedem Tisch ein Exemplar des Kartensatzes und vergleichst die Rangfolgen im Plenum. In Remote-Sessions lassen sich Karten auf einem gemeinsamen Whiteboard verwenden, die die Teilnehmenden in Rangspalten ziehen. Die Seite von Service Design Tools beschreibt einen Co-Design-Workshop für die gemeinnützige Organisation T.Ospito am Krankenhaus Niguarda, in dem Stichwortkarten wie Familie, Routine, Finanzen und Bewegung pflegenden Angehörigen halfen, über ihre Prioritäten zu sprechen.

Einsatzbereiche

Einstieg in einen Co-Design-Workshop zu einem komplexen ThemaStrukturierung von Stakeholder- oder NutzerinterviewsThemen gemeinsam mit den Betroffenen priorisierenForschungsergebnisse mit Teilnehmenden überprüfenEine stille oder zurückhaltende Gruppe ins Gespräch bringen

Wann einsetzen

  • Du hast erste Recherche- oder Desk-Research-Ergebnisse und möchtest, dass die Betroffenen sie bestätigen, korrigieren und gewichten

  • Die Teilnehmenden empfinden das Thema als abstrakt oder heikel und sprechen leichter über einen Gegenstand auf dem Tisch als auf eine direkte Frage hin

  • Eine Gruppe kehrt immer wieder zu denselben zwei oder drei Gesprächspunkten zurück und braucht Impulse, die das Gespräch weiten

  • Du interviewst mehrere Stakeholder und möchtest ihre Prioritäten anschließend vergleichen können

  • Die Teilnehmenden sind Workshops nicht gewohnt und brauchen einen niedrigschwelligen Weg, sich einzubringen

Wann nicht einsetzen

  • Du weißt zu wenig über das Thema, um aussagekräftige Karten zu schreiben; beginne mit offenen Nutzerinterviews oder Contextual Inquiry und baue den Kartensatz danach

  • Du willst erfahren, wie Menschen Inhalte für eine Navigation oder Informationsstruktur gruppieren und benennen; das ist ein Card Sorting

  • Die Gruppe soll Lösungen entwickeln; Issue Cards bringen Probleme ans Licht und in eine Rangfolge, schließe also How-Might-We-Fragen oder ein Brainstorming an

  • Das Thema ist für die Teilnehmenden persönlich belastend, und das Gruppensetting bietet ihnen keine Privatsphäre; führe stattdessen Einzelgespräche mit einer geschulten Interviewerin oder einem geschulten Interviewer

Ähnliche Methoden

Häufig gestellte Fragen

Was sind Issue Cards?▾

Issue Cards sind ein Moderationswerkzeug aus dem Service Design: ein eigens erstellter Kartensatz, bei dem jede Karte ein Thema rund um die Fragestellung zeigt, als Stichwort, Bild, Erkenntnis oder kurze Beschreibung. Die Karten werden in einem Interview oder Workshop ausgelegt, damit die Teilnehmenden sie besprechen, anpassen und priorisieren können. Der Kartensatz wird für das Projekt angefertigt und ist kein Produkt, das man kauft.

Wie viele Issue Cards brauche ich?▾

Fünfzehn bis dreißig Karten passen für die meisten Sessions. Weniger als zehn bieten zu wenig Auswahl, und mehr als etwa vierzig machen die Session zur Leseübung. Lege mindestens fünf Blankokarten dazu.

Was sollte auf einer Issue Card stehen?▾

Ein Thema pro Karte, neutral und knapp formuliert. Stichworte, Fotos, einfache Zeichnungen, Zitate aus der Recherche oder Beschreibungen in einem Satz funktionieren alle. Vermeide Wertungen und Lösungen, denn es geht darum zu hören, wie die Teilnehmenden das Thema sehen.

Was ist der Unterschied zwischen Issue Cards und einem Card Sorting?▾

Beim Card Sorting gruppieren Menschen Elemente in Kategorien, damit du ihr mentales Modell kennenlernst, meist für die Informationsarchitektur. Issue Cards sind Gesprächsimpulse: Ziel sind Diskussion, Ergänzungen und eine Prioritätenfolge. Das Material sieht ähnlich aus, aber die Fragen, die du stellst, und die Daten, die du festhältst, unterscheiden sich.

Wie lange dauert eine Session mit Issue Cards?▾

Die Quelle nennt keine Dauer. Dreißig bis sechzig Minuten sind realistisch für eine interviewte Person oder eine Gruppe von bis zu zehn, je nach Anzahl der Karten. Den Kartensatz vorab vorzubereiten und zu testen dauert meist länger als die Session selbst.

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Method descriptions on Workshop Weaver are original content written by our team, based on established facilitation practices. This method was inspired by work from Service Design Tools.