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Event Storming

Event Storming wurde von Alberto Brandolini entwickelt und ist ein kollaborativer Modellierungs-Workshop, der Entwickler und Fachexperten zusammenbringt, um ein komplexes Geschäftsfeld schnell zu erkunden. Die Teilnehmenden modellieren ein System oder einen Geschäftsprozess, indem sie farbige Haftnotizen auf einer Zeitachse platzieren: orange für Domain-Events (Ereignisse, die passieren), blau für Befehle (was sie auslöst), gelb für Akteure und rot für Hotspots (Bereiche der Verwirrung oder Konflikte).

Dauer
3h–8h
Gruppengröße
6–30 people
Material
sehr lange Papierrolle, orange Klebezettel (Domain Events), blaue (Commands)
Quelle
Community

Moderationsablauf

  1. 1

    Bereite den Raum vor und briefe die Gruppe: Hänge mindestens sechs bis zehn Meter durchgehendes Papier auf, entferne die Stühle, damit alle stehen bleiben, und erkläre den Farbcode — orange für Domain-Events in der Vergangenheitsform ('Bestellung aufgegeben', 'Zahlung fehlgeschlagen'), blau für Befehle, gelb für Akteure, rot für Hotspots. Rahme die Regel: 'Schreibt auf, was passiert, nicht was passieren sollte.'

    20 Min.
  2. 2

    Starte die chaotische Erkundung: Alle schreiben und kleben gleichzeitig orange Event-Notizen, irgendwo an die Wand, ohne um Erlaubnis zu fragen oder eine Reihenfolge abzustimmen. Widerstehe dem Drang zu ordnen — füttere stille Wandabschnitte mit Impulsfragen ('Was passiert, nachdem die Zahlung fehlgeschlagen ist?') und löse jede Traube auf, die sich zum Diskutieren statt zum Schreiben bildet.

    45 Min.
  3. 3

    Setze die Zeitachse durch: Lass die Gruppe alle Events chronologisch von links nach rechts sortieren und Duplikate dabei zusammenführen. Wenn ein Streit über die Reihenfolge länger als eine Minute dauert, klebe einen roten Hotspot darauf und geh weiter — die Meinungsverschiedenheit ist ein Befund, kein Blocker.

    40 Min.
  4. 4

    Geh die Zeitachse laut durch: Bestimme eine Person, die die ganze Geschichte vom ersten bis zum letzten Event erzählt, während der Raum sie korrigiert. Jede Lücke wird zu einer neuen orangen Notiz; jedes 'Na ja, eigentlich…' wird entweder zu einer Korrektur oder zu einem roten Hotspot.

    30 Min.
  5. 5

    Ergänze blaue Befehle und gelbe Akteure. Frage für jedes bedeutsame Event: 'Was hat das ausgelöst, und wer hat es angestoßen?' Achte auf Events ohne klaren Auslöser oder Akteur — dort verstecken sich meist Automatisierungen, Batch-Jobs oder eine Abteilung, die niemand eingeladen hat.

    45 Min.
  6. 6

    Identifiziere Bounded Contexts: Suche nach Stellen, an denen sich das Vokabular verschiebt, die Verantwortung wechselt oder dasselbe Wort Unterschiedliches bedeutet, und ziehe Grenzen um diese Cluster. Benenne jeden Kontext gemeinsam mit der Gruppe — die Namen begleiten das Modell bis in die Design-Diskussionen.

    35 Min.
  7. 7

    Schließe mit den Hotspots: Lies jede rote Notiz laut vor und weise jeder eine:n Verantwortliche:n und einen nächsten Schritt zu — ein Folgegespräch, einen Datencheck oder eine tiefere Session auf Prozess-Ebene. Fotografiere die gesamte Wand in überlappenden Abschnitten, bevor irgendjemand eine Notiz anfasst.

    25 Min.

Tipps

  • Das Chaos ist Teil des Prozesses — der erste Durchgang wird chaotisch sein.

  • Das ist richtig.

  • Hotspots sind das wertvollste Ergebnis: Sie markieren die Stellen, an denen Annahmen nicht getestet wurden.

  • Beziehe sowohl Fachexperten als auch technisches Personal ein — die Mischung ist entscheidend.

Typische Stolperfallen

  • Zu früh aufräumen — Ordnung während der chaotischen Erkundung zu erzwingen tötet die parallele Entdeckung, die die Methode schnell macht; das Chaos ist der Punkt

  • Den Raum jede Meinungsverschiedenheit bis zum Konsens ausdiskutieren lassen, statt sie als roten Hotspot zu parken und die Zeitachse in Bewegung zu halten

  • Imperative oder zukünftige Formulierungen wie 'Rechnung senden' auf orangen Notizen akzeptieren — Events müssen Fakten in der Vergangenheitsform sein, sonst verschwimmen Befehle und Events zu Brei

  • An Wandfläche sparen — geht das Papier aus, komprimieren die Leute die Zeitachse und hören still auf, Events zu ergänzen, und das Modell verliert genau das Detail, für das du gekommen bist

Variationen

Führe ein 'Big Picture' Event Storming (gesamtes Unternehmen) vor einer 'Prozess-Ebene'-Session (einzelner Ablauf) durch. Nutze digital farbcodierte Karten in Miro für verteilte Teams.

Einsatzbereiche

Domänengetriebenes Design (DDD)Mikroservices-ArchitekturNeugestaltung von GeschäftsprozessenVerständnis von Altsystemen

Wann einsetzen

  • Ein Altsystem, das niemand vollständig versteht, muss modernisiert oder aufgeteilt werden, und das Wissen liegt verstreut in den Köpfen weniger Veteranen

  • Entwickler und Fachexperten reden ständig aneinander vorbei, und das Team braucht ein gemeinsames End-to-End-Bild des Geschäftsprozesses, bevor Software entworfen wird

  • Ein Monolith wird in Services oder Bounded Contexts zerlegt, und die Grenzen sollen aus der Domäne selbst kommen, nicht aus dem Organigramm

  • Ein abteilungsübergreifender Prozess scheitert an den Übergaben, und keine einzelne Person kann sagen, was zwischen 'Bestellung aufgegeben' und 'Geld auf dem Konto' tatsächlich passiert

Wann nicht einsetzen

  • Die Fachexperten können nicht teilnehmen — nur mit Entwicklern durchgeführt dokumentiert die Session bloß bestehende Annahmen; verschiebe sie, bis die Fachseite im Raum ist

  • Der Prozess ist einfach oder linear genug, um ihn in einer Stunde zu erfassen — eine User Journey Map oder ein schlichtes Flussdiagramm erledigt das mit deutlich weniger Aufwand

  • Es steht nur ein Zwei-Stunden-Slot zur Verfügung — unter etwa einem halben Tag kommt die Gruppe kaum über die chaotische Erkundung hinaus; buche die Zeit oder verenge den Scope auf einen einzelnen Ablauf

  • Das Ziel ist Priorisieren oder Entscheiden statt Verstehen — Event Storming produziert geteiltes Wissen und Hotspots, kein sortiertes Backlog

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Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert ein Event-Storming-Workshop?

Plane mindestens einen halben Tag ein; ein ganzer Tag (bis zu acht Stunden) ist üblich für eine Big-Picture-Session über einen ganzen Geschäftsbereich. Komplexe Domänen brauchen oft eine Sequenz: ein Big-Picture-Tag, dann kürzere Sessions auf Prozess-Ebene zu den Abläufen, die die meisten Hotspots produziert haben.

Wie viele Teilnehmende braucht eine Event-Storming-Session?

Zwischen 6 und 30, und die Mischung zählt mehr als die Zahl: Du brauchst die Menschen, die die Domäne kennen — Operations, Vertrieb, Finanzen, Support — neben den Entwicklern, die darauf aufbauen werden. Eine Session ohne Fachexperten produziert ein selbstbewusstes Modell des falschen Systems.

Kann man Event Storming remote durchführen?

Ja, auf einem geteilten Whiteboard mit farbcodierten digitalen Notizen und einer sichtbaren Legende, da niemand im Vorbeigehen die Farbe eines physischen Zettels erkennen kann. Teile die Arbeit in zwei Halbtagesblöcke statt eines langen Calls auf und vereinbare eine Handzeichen- oder Markierungskonvention für Hotspots — die Energiesignale, die ein Facilitator im Raum liest, sind das, was hauptsächlich verloren geht.

Was ist der Unterschied zwischen Event Storming und User Journey Mapping?

Eine User Journey Map folgt der Erfahrung einer Persona über Touchpoints und Emotionen und zielt darauf, diese Erfahrung zu verbessern. Event Storming kartiert alles, was in der Domäne passiert — inklusive Backoffice- und System-Events, die kein Kunde je sieht — und zielt auf geteiltes Verständnis und Software-Grenzen. Journey Maps sind gute Inputs für eine Event-Storming-Wand, aber kein Ersatz dafür.

Welche Materialien und Vorbereitung braucht Event Storming?

Eine durchgehende Papierrolle von sechs bis zehn Metern, großzügige Stapel oranger, blauer, gelber und roter Haftnotizen und ein Marker pro Person. Bereite eine Ein-Satz-Scope-Beschreibung vor ('von der Anfrage bis zur bezahlten Rechnung') und die Einladungsliste — aber zeichne kein Modell vor; mit einem fertigen Diagramm anzukommen zerstört die Entdeckung.

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