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ICE Scoring

ICE Scoring ist ein leichtgewichtiges Priorisierungsframework, das vom Growth-Experten Sean Ellis — Erfinder des Begriffs 'Growth Hacking' — als schnelles Werkzeug zur Bewertung und Sortierung von Experimenten und Initiativen populär gemacht wurde. ICE steht für Impact (wie stark bewegt dies die Zielmetrik, wenn es funktioniert?), Confidence (wie sicher ist man, dass es tatsächlich funktioniert?) und Ease (wie einfach ist die Umsetzung — das Inverse des Aufwands?). Jeder Faktor wird auf einer Skala von 1–10 bewertet, und der ICE-Score ist der einfache Durchschnitt: (Impact + Confidence + Ease) ÷ 3. Die Formel gewichtet bewusst alle drei Faktoren gleich und verwendet einen arithmetischen Durchschnitt statt einer Multiplikation, was sie resistenter gegen extreme Ausreißer macht als RICE. ICE wurde speziell für Hochgeschwindigkeits-Wachstumsteams entwickelt, die viele Experimente parallel durchführen — Kontexte, in denen die Kosten der Überanalyse einer Entscheidung die Kosten einer gelegentlich falschen Wette übersteigen. Seine primäre Stärke ist die Geschwindigkeit: ein erfahrenes Team kann 20–30 Items in 30 Minuten bewerten, dramatisch schneller als RICE oder gewichtete Scoring-Modelle. Im Workshop-Kontext wird ICE für die schnelle Sichtung von Experiment-Backlogs, Sprint-Planung und das Filtern einer großen Optionsliste auf eine handhabbare Shortlist eingesetzt.

Dauer
30m–1h
Gruppengröße
2–12 people
Material
ICE-Scoring-Tabelle oder einfache Tabelle, Backlog an Experimenten oder Initiativen, Haftnotizen

Moderationsablauf

  1. 1

    Rahme die Session: Benenne die eine Zielmetrik, die alle Items bewegen sollen, und zeige die Kandidatenliste mit je einer Zeile Beschreibung. Erkläre die drei Faktoren und ihre 1–10-Anker — Impact ('Wenn es genau wie geplant funktioniert, wie weit bewegt sich die Metrik?'), Confidence ('Welche Belege sagen, dass es funktioniert?'), Ease ('Wie einfach ist die Umsetzung — das Inverse des Aufwands?'). Sage klar: 'Wir erstellen eine Shortlist, wir committen uns nicht.'

    7 Min.
  2. 2

    Bewerte Impact in Stille. Alle tragen für jedes Item eine 1–10 in ihre eigene Spalte des geteilten Sheets ein, ohne Diskussion. Halte das Tempo hoch — erste Einschätzungen sind meist richtig, und Präzision über ein, zwei Punkte hinaus ist ohnehin illusorisch.

    8 Min.
  3. 3

    Bewerte Confidence in Stille. Impuls: 'Vergib eine 10, wenn frühere Daten oder Ergebnisse es belegen, eine 1, wenn es reine Spekulation ist.' Bitte alle, jedes Item zu markieren, das sie unter 4 bewerten — das sind Kandidaten für günstige Validierungsexperimente statt voller Umsetzungen.

    8 Min.
  4. 4

    Bewerte Ease in Stille. Erinnere die Gruppe daran, gegen das zu kalibrieren, was im letzten Quartal tatsächlich ausgeliefert wurde, nicht gegen optimistische Sprint-Schätzungen: 10 heißt heute ohne Abhängigkeiten machbar, 1 heißt viele Monate Arbeit.

    8 Min.
  5. 5

    Decke alle Scores auf, berechne (Impact + Confidence + Ease) ÷ 3 und sortiere absteigend. Diskutiere nur die Items, bei denen einzelne Scores um vier oder mehr Punkte auseinanderliegen — diese Divergenz bedeutet, dass Menschen unterschiedliche Informationen haben, und ein zweiminütiger Austausch löst das meist auf.

    8 Min.
  6. 6

    Kalibriere die Spitze der Liste gegen die strategische Absicht: ICE spült Quick Wins gern über wichtige schwere Vorhaben, also frage: 'Spiegelt diese Reihenfolge wider, was wir wirklich für wichtig halten?' Passe bewusst an, falls nötig, und weise dann jedem der obersten fünf bis zehn Items eine:n Owner zu.

    8 Min.

Tipps

  • ICE Scoring ist schnell, weil es approximativ ist. Gruppen nicht 5 Minuten über den Unterschied zwischen Score 6 und 7 diskutieren lassen — dieses Präzisionsniveau ist ohnehin illusorisch.

  • Confidence ist der wichtigste Filter. Ein 10/10-Impact-Score bei einem 1/10-Confidence-Item ist ein Forschungsprojekt, keine Priorität. Items mit niedriger Confidence und hohem Impact als Validierungsexperimente einplanen, nicht als volle Launches.

  • Ease-Scoring wird oft von technischen Teammitgliedern manipuliert, die Items hoch bewerten, die ihren aktuellen Sprint begünstigen. Gegen tatsächliche Lieferzeiten des letzten Quartals kalibrieren.

  • ICE zunächst in Stille durchführen — alle bewerten unabhängig, bevor irgendeine Gruppendiskussion stattfindet — um Ankereffekte und sozialen Konformitätsbias zu verhindern.

  • ICE ist ein Shortlisting-Werkzeug, kein finales Entscheidungsframework. Die Top-Items immer gegen strategische Passung prüfen, bevor man sich committet.

Typische Stolperfallen

  • Die Gruppe darüber diskutieren lassen, ob ein Item eine 6 oder eine 7 ist — die Präzision von ICE ist bewusst grob, also timeboxe jeden Score auf Sekunden und geh weiter

  • Reihum laut bewerten, sodass die erste Stimme — oft die ranghöchste — alle anderen verankert; sammle Scores still ein und decke sie gemeinsam auf

  • Items mischen, die auf unterschiedliche Metriken zielen — das macht die Impact-Scores unvergleichbar und die finale Reihenfolge bedeutungslos

  • Die Rangliste ohne strategischen Realitätscheck direkt in die Roadmap übernehmen — die Methode bevorzugt systematisch das Einfache gegenüber dem Wichtigen

Variationen

Für Wachstumsexperiment-Programme einen vierten Faktor hinzufügen — 'Zeit bis Ergebnisse' — um ein ICET-Modell zu schaffen, das auch berücksichtigt, wie schnell man weiß, ob ein Experiment funktioniert hat. Für strategieorientierte Teams Impact stärker gewichten (z.B. 2×) statt eines einfachen Durchschnitts. ICE für wöchentliche Experiment-Sichtung und RICE für quartalsweise Roadmap-Priorisierung verwenden.

Einsatzbereiche

Wöchentliche Sichtung des Wachstumsexperiment-BacklogsSchnelle Shortlist-Erstellung in der Sprint-PlanungPriorisierung von Marketing-Kanal-ExperimentenErster Filterpass für die Innovations-PipelineCRO-Testqueue-Management (Conversion Rate Optimization)

Wann einsetzen

  • Ein Growth- oder Produkt-Backlog mit 15–50 Experimentideen muss vor dem nächsten Zyklus gesichtet werden und für ein schwereres Scoring-Modell fehlt die Zeit

  • Ein Team ertrinkt in Stakeholder-Anfragen und braucht ein transparentes, verteidigbares erstes Ranking, um zu erklären, was gestrichen wurde und warum

  • Wöchentliche oder zweiwöchentliche Experiment-Rhythmen verlangen ein wiederholbares Ritual, das eingehende Ideen in Minuten statt in Meetings bewertet

  • Ein Brainstorming hat eine lange, unsortierte Liste produziert, die vor einer tieferen Analyse wie RICE oder einem Business Case auf eine Shortlist schrumpfen muss

Wann nicht einsetzen

  • Auf dem Tisch liegt eine Handvoll großer, schwer umkehrbarer Wetten — Entscheidungen dieses Gewichts verdienen gewichtetes Scoring oder einen Business Case, nicht drei gemittelte Bauchgefühl-Zahlen

  • Die Items bedienen unterschiedliche Ziele oder Metriken — ICE-Scores sind nur gegen ein gemeinsames Ziel vergleichbar; fixiere das Ziel oder teile die Liste in getrennte Scoring-Sessions auf

  • Du brauchst Reichweite und Aufwand explizit und getrennt ausgewiesen — RICE bricht diese Dimensionen heraus, wo ICE sie in Impact und Ease zusammenpresst

  • Das Ranking würde als Lieferzusage gelesen — ICE ordnet Wetten nach grobem Erwartungswert und sagt nichts über Zeitplan oder Kapazität

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Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert eine ICE-Scoring-Session?

Plane 30–60 Minuten ein. Ein erfahrenes Team bewertet 20–30 Items in etwa einer halben Stunde; der Rest der Zeit geht in das Auflösen divergierender Scores und den Strategie-Check der oberen Ränge. Läuft eine Session länger, diskutiert die Gruppe eine Präzision, die die Methode nie haben sollte.

Wie viele Personen sollten bei einer ICE-Session mitbewerten?

Zwei bis zwölf funktioniert gut. Du willst die Menschen im Raum, die echte Informationen über Impact, Belege und Umsetzungskosten haben — typischerweise eine Mischung aus Produkt, Engineering und Daten oder Marketing. Jenseits von einem Dutzend funktioniert stilles Scoring zwar noch, aber die Divergenz-Diskussionen ufern aus.

Was ist der Unterschied zwischen ICE und RICE?

RICE bewertet Reach, Impact und Confidence und teilt durch den in Personenmonaten geschätzten Aufwand — ein rigoroseres, aber langsameres Ranking. ICE mittelt drei 1–10-Bauchwerte und tauscht Genauigkeit gegen Geschwindigkeit. Eine übliche Aufteilung: ICE für die wöchentliche Experiment-Sichtung, RICE für quartalsweise Roadmap-Entscheidungen.

Wie führt man ICE Scoring remote durch?

Ein geteiltes Spreadsheet reicht: eine Zeile pro Item, eine ausgeblendete oder private Spalte pro Person und eine Formel für den Durchschnitt. Bewertet jeden Faktor still im Call und blendet die Spalten dann gemeinsam ein — das gleichzeitige Aufdecken verhindert Ankereffekte genauso wie im Raum.

Welche Vorbereitung braucht eine ICE-Session?

Stelle die Kandidatenliste vorab zusammen, mit einer Zeile Beschreibung pro Item — Beschreibungen live zu schreiben verbrennt die Session. Definiere die eine Zielmetrik und richte das Scoring-Sheet mit der fertigen Formel (Impact + Confidence + Ease) ÷ 3 ein. Zehn Minuten Vorbereitung halten die Session selbst unter einer Stunde.

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Method descriptions on Workshop Weaver are original content written by our team, based on established facilitation practices. This method was inspired by work from Sean Ellis.